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... unterwegs mit dem Wohnmobil

Reisebericht 2012 von Klaus D. Prtak

Lange bevor ich zu segeln begann, machten wir unsere ersten Erfahrungen als Camper in Lignano. Wir mieteten damals einen Wohnwagen. Die Kinder waren im Volksschulalter und meine liebe Monika konnte sich, in jungen Jahren, das Wohnen in einem Wohnwagen nicht vorstellen. Sie fuhr lieber auf einen Bauernhof oder in die Berge und trug einen zu schweren Rucksack über Stock und Stein auf eine Berghütte hinauf.

In meinen Urlaubsvorstellungen kam immer das Meer vor. Berge dienten als Kulisse für nette Fotomotive. Für mich gab es damals schon nichts Erholsameres als in einem Hafen den Schiffen zuzusehen oder kleine Hafenrund-fahrten zu machen und dabei eine Hand ins Wasser zu halten. Das ist ein wenig kindisch, ich weiß das, aber ich wollte halt bei allen Gelegenheiten das Meer spüren. So etwas bleibt einem, auch wenn man schon etwas in die Jahre gekommen ist.

Im Gegensatz zu Monika, die einen Hang zu einer monatelangen Planung hat, mit Geduld die interessantesten Reiseziele aussucht und tagelang unseren Hausrat in den Camper übersiedelt, genügt es mir die grobe Richtung vorzugeben und den Abreisetermin zu fixieren. So kam es im Juni wieder zu einer Fahrt in den Norden. Dabei wurden alle interessanten Museen besucht, die auf der wohlüberlegten Strecke lagen. Museen an denen wir seit Jahrzehnten, bei jeder Reise in den Norden, vorbei fuhren.

Wie immer auf unseren Reisen spielt auch der Zufall eine große Rolle. Man hört erst auf der Strecke von interessanten Zielen und kann sofort darauf reagieren. Dem Auto ist es egal, wohin ich es lenke, aber wir sammeln zusätzlich unvergessliche Erlebnisse. Das ist es, was wir beide nicht mehr missen wollen. Immerhin sind wir auf diese Art schon beinahe 35 Jahre unterwegs und haben zigtausend Kilometer auf den diversen Tachos.

Die heurige Reise führte uns am ersten Tag in einen Vorort von PRAG. Ein kleiner, privater Campingplatz in einem größeren, gepflegten Obstgarten wurde unser erster Stützpunkt. Der vom Besitzer zugewiesene Stellplatz war sehr nett. Mein erster Blick fiel auf ein aufwändig gefertigtes eisernes Grabkreuz an einer Steinmauer. Ob man hier die Erbtante begraben hat? Mir gefiel dieser Gedanke so gut, dass ich es mir selbst nicht gestattete, in der "Rezeption" nachzufragen.

Die U-Bahn führte uns am nächsten Tag in das Zentrum von PRAG. Mit einem Besuch des Technischen Museums starteten wir eine Museumstour, die erst 17 Tage später, in der alten Speicherstadt in HAMBURG, mit dem Besuch des Automobil-Prototypen Museums endete. Meinem Hang für Friedhöfe folgend besuchten wir auch den alten Friedhof in der Zitadelle.

Nach dem Besuch von PRAG führte das Navi uns, neben der herrlich ausgebauten Hauptverbindung, über Nebenstraßen und kleine Bergstraßen nach MLADA-BONISLAV ins Skoda-Werk. Eine herzige Gegend, aber mich beschäftigte mehr die Frage, was ich bei der Eingabe des Zieles falsch gemacht hatte. Im Skoda-Werk geht natürlich ohne Anmeldung gar nichts, aber das Oldtimermuseum, wegen Renovierungsarbeiten reduziert auf eine kleine Ausstellung, durften wir besichtigen. Immerhin, die ausgestellten Fahrzeuge sind im Originalzustand und bestens erhalten. Die ersten 100 Fotos bereicherten meine in Prag begonnene Fotosammlung alter Oldtimer-Autos. Wunderschöne Fahrzeuge von Praga, Laurin & Klement, Aero und Skoda. Autos aus den Sternstunden der ersten Motorisierungswelle in Europa. Ihre Konstrukteure und Erbauer waren allesamt Altösterreicher, wie Ferdinand Porsche, Hans Ledwinka u.s.w. Geniale Techniker, die z. B. den Zentral-Rohrrahmen für Automobile erfanden, den luftgekühlten Boxermotor oder das E-Auto. Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Leider sind nicht nur die Namen vieler begabter Konstrukteure in Vergessenheit geraten, sondern auch das Bewusstsein, dass es Österreicher und Tschechen waren, die um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert Automobilgeschichte geschrieben haben. Henry Ford hat das Fließband in seinen Werken eingeführt, seine Arbeiter haben den Sitzstreik erfunden, aber das erste Automobil wurde von Siegfried Markus, einem Altösterreicher, gebaut. Der Streit Markus mit Mercedes geht auf einen propagandistischen Streit mit dem Hitler-Regime zurück. Hitler wollte damals die Erfindung und den Bau des ersten Automobiles in Deutschland "ansiedeln". Markus und seine Erben wurden im Streit mit Mercedes von einem amerikanischen Patentamt hereingelegt. Die Amerikaner verschlampten seine datierten Konstruktionspläne. Wichtige Unikate, die bis heute nicht gefunden wurden. Das Ende der Monarchie und die finanzielle Not nach dem ersten Weltkrieg haben uns in Sachen Automobile den Anschluss an die Weltspitze vermasselt. Wenn schon der ganz große Erfolg ausblieb, die Reste der damaligen Erfindungen und Entwicklungen sind noch in diversen Museen zu bestaunen. Diese Reste aufzuspüren, war mein Leitgedanke bei der Planung. Monika zog es in den Museen manchmal vor zu Rasten. Während ich mit der Kamera vor einem alten Auto kniete und markante Details fotografierte, zog sie sich auf eine Gartenbank zurück, schloss die Augen und verarbeitete so die bereits gesehenen und verstaubten Attraktionen.

Die Weiterfahrt führte uns ins Elbsandsteingebirge nach RATHEN an der Elbe. Die Überfahrt mit einer Grundseilfähre war ganz nach meiner Vorstellung. Der Aufstieg zu einem mir unbekannten Ziel wurde zu einem Prüfstein unserer trauten Zweisamkeit. Wir stiegen bei extremen sommerlichen Temperaturen in einer Marschkolonne mit konditionell mir weit überlegenen Wanderern einen schmalen Weg mit tausend Stufen hinauf. Als mir die Sinnhaftigkeit dieser Aktion abhandengekommen war, drehte ich zum Leidwesen meiner besseren Hälfte einfach um und genoss die Wiedergeburt als Urlauber in einem einfachen Fischrestaurant am anderen Bachufer. Zugegeben, es war eine persönliche Pleite. Aber ich habe schon lange nicht mehr mit so viel Andacht eine fangfrische und geräucherte Forelle gegessen.

BERLIN, unser nächstes Ziel, haben wir bisher erst einmal besucht. Mit der festen Absicht das Historische Museum der Deutschen Luftwaffe in GATOW zu besuchen, verließen wir den Campingplatz am Teltowkanal in Kleinmachnow, kämpften uns durch die Riesenstadt zum alten Flughafen, den die Engländer für ihre Rosinenbomber benützt hatten und gingen stundenlang durch einen Teil der hier ausgestellten deutschen Nachkriegs-geschichte. Die hier abgestellten 180 Flieger kann man mit Worten nicht mehr erklären. Mit Hilfe von hunderten Fotos geht das schon besser. Einem Rausch gleich verbrachte ich die nächsten Stunden mit dem Zeigefinger am Auslöser. Erst ein Krampf in der Hand hinderte mich daran, noch weitere hundert Fotos zu machen. Leider war der Hangar 7 wegen eines Empfanges gesperrt. In diesem Hangar befinden sich Exponate aus den 30er und 40er Jahren. Aber die Messerschmitt Me 163 war im Original zu sehen. Ein Geschenk der Amerikaner, die nach dem Krieg alle erbeuteten, deutschen Wunderwaffen in ihre Heimat verschleppten. Offiziell natürlich. Wie es einem Sieger halt möglich ist. Es waren die funktionsfähigen Walter-Raketentriebwerke, die sie haben wollten. Funktionsunfähige amerikanische Raketentriebwerke hatten sie damals selbst genug.

Auf der Fahrt an die Müritz erholten wir uns wieder. Der angesteuerte Campingplatz lag neben dem Gelände des Röbeler Segelclubs. Das war eine nette Überraschung, denn die veranstalteten gerade Jugendsegelregatten im großen Stil. 200 Optis, viele, viele Laser und 420er kämpften auf mehreren Bahnen am Nordufer des Müritz-Sees. Ein gewaltiges Bild mit hunderten Segeln am Horizont. Erinnerungen an die Barkolana vor Triest sind da unvermeidlich. Wo ist der nächste Ausflugsdampfer, da müssen wir mitten hinein. Schön war's. Die Mecklenburger Seenplatte ist eines der schönsten Boots-Reviere und nur mit den Masuren in Polen vergleichbar. Einfach toll. Sollten wir da nicht einmal mit unserem Club eine Woche planen? "Ja" sagt Monika "aber ich fahre da nur auf einem Motorboot mit". Na auch nicht schlecht. Wenn eine kleine Flotte zusammenkommt, machen wir eben das Verbindungs- und Versorgungsboot. Ich freue mich schon darauf

Wir lösen uns langsam wieder von der Müritz, fahren über ROSTOCK und über den Fehmarnbelt nach Dänemark. Endlich besuchen wir in den nächsten 7 Tagen ein Land, das wir auch nur von der Durchfahrt kennen. Dänemark, eigentlich unser Hauptreiseziel, hat sehr viel zu bieten. Auch eine gemeinsame Geschichte mit den Österreichern. Immer dann, wenn sich die Habsburger gerade mit ihren nördlichen Nachbarn gut verstanden, halfen sie ihnen bei ihren Kämpfen gegen die wilden Nordvölker aus. Aber die Dänen sind nicht nachtragend, oder es ist ihnen gar nicht aufgefallen, dass da ein paar Österreicher ihre Säbel gegen sie zückten. Jedenfalls haben sie nach dem ersten Weltkrieg hunderte Wiener Kinder mit Zügen abgeholt und sie in Dänemark aufgepäppelt. Ein sehr menschlicher Akt, der sehr dankbar aufgenommen wurde und uns mit den Dänen stärker verband. Ein älterer Angestellter im Schloss Frederiksborg machte uns auf einen Lorbeerkranz aus Silber aufmerksam, den eine Wiener Abordnung 1927 als Dank für diese humanitäre Hilfe den damaligen dänischen Staatenlenkern überbrachte.

Es gibt unwahrscheinlich schöne, alte Schlösser in diesem Land. Der Adel wurde von den Dänen selbst nie ernsthaft in Frage gestellt. Er genoss und genießt heute noch eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Die amtierende Königin Margarete wird samt ihrer Familie verehrt. Dänemark gehört zu den ältesten Monarchien in Europa. Der Adel konnte seinen Besitz unbestritten behalten. Er lebt auf seinen Gütern und in seinen Schlössern. Sie sind allesamt Großgrundbesitzer und ernähren mit ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen die Bevölkerung. Es waren z. B. auch alle Brauerei-besitzer adelig, versorgten die Dänen mit ihren Gerstensäften und wurden sehr vermögend. In der Vergangenheit haben sie ihren Königen beim Erhalt deren Schlösser ausgeholfen. Mit Spendengeldern natürlich, denn die Könige hatten immer zu wenig finanzielle Mittel, um die Riesenschlösser selbst zu erhalten. Sie konnten auch die Spenden nicht zurückzahlen sondern überschrieben ihnen einen entsprechenden Grundbesitz. Da war schon einmal das eine oder andere Schloss dabei.

KOPENHAGEN vom Boot aus zu erleben hat einen besonderen Reiz. Diese Stadt zeigt ihre schönsten Seiten uneingeschränkt jedem Besucher. Es gibt wenig abgesperrte Objekte. Alles ist frei zu besichtigen. Man kann auch alles angreifen. Nur die Kronjuwelen nicht. Da sind die Eigentümer sehr heikel. Die sind im Schloss Rosenborg untergebracht und werden schwerstens bewacht. Die dänischen Könige haben in diesem Schloss, das heute zu einer militärischen Garnison gehört, viele wertvolle Schätze zusammengetragen. Sie waren es auch, die ganz Skandinavien beherrschen wollten und Kriege mit den schwedischen Kleinkönigen führten. Manchmal erfolgreich, manchmal mit sehr großen Verlusten. Das führte im 16. Jhdt. zur Gründung der schwedischen Königsdynastie Wasa.

Über die Insel Fyn (Fünen) geht es weiter in den Westen nach Jilland (Jütland). An der Ostseite des dänischen Festlandes arbeiten wir uns auf den nördlichsten Punkt Dänemarks hinauf. Beim Leuchtturm Grenen schauen wir dem Zusammenfließen der Nordsee mit der Ostsee zu. Am Skagerrak kann man auch die unzerstörbaren Bunkeranlagen aus den beiden Weltkriegen sehen, die heute als ein Teil der Badelandschaften, als quasi Umkleidekabinen, am Strand stehen. Einige von ihnen hat es beim feindlichen Beschuss aus ihren Fundamenten gehoben. Diese machen einen etwas merkwürdigen Eindruck. Aber in den wenigsten Fällen sind sie zerbrochen. Es ist sehr ruhig im Norden. Man merkt, dass hier Bauern und Fischer das Land geprägt haben. In den großen Häfen werden riesige Teile von modernen Windgeneratoren gelagert und warten auf das Fertigstellen der Fundamente, die sie einmal aufnehmen werden. Schön schauen sie alle nicht aus, besonders wenn sie den Horizont "bereichern". Aber die Dänen gehen sorgfältig mit ihrer Landschaft um. Hier stehen die Windräder in kleinen Gruppen von 5 bis maximal 10 Stück beisammen. So passen sie, da unauf-fälliger, besser in die Landschaft. Nicht so brutal wie die 200 Stück im Norden bzw. Nordosten vom Neusiedler See. Da könnte die BEWAG noch etwas dazulernen. Zum Glück werden diese Windmühlen nicht so lang halten wie ihre hölzernen Pendants, die liebevoll gepflegt hunderte Jahre überlebt haben und sich heute noch in einem hervorragenden Zustand befinden.

Nachdem wir die Westküste eingehend studierten, Leuchttürme und Kirchen samt ihren Friedhöfen beim Versinken im Sand bzw. beim Abrutschen an einer sandigen Steilküste zugesehen haben, Fischerboote, die ohne einer fixen Anlegestelle nach ihrer Rückkehr mitsamt dem Fang von Trekkern an Land gezogen, oder überhaupt gleich durch die Dünen in die Höfe der Fischerhäuser gezogen werden, und nachdem wir das schönste Dorf von Dänemark nämlich MÖGELTÖNDER besichtigt haben, verlassen wir Dänemark und fahren nach HAMBURG.

Den Campingplatz kennen wir schon. Am Rande einer Wohnwagensiedlung von Sinti (oder sind es Romas?) werden wir die nächsten Tage verbringen. Jedenfalls so lange bis wir das Prototypenmuseum im Alten Hafen gesehen haben, einen Einkaufsbummel gemacht (wir brauchen dringend Mitbringsel für die lieben Daheimgebliebenen) und die obligate Fahrt auf der Elbe nach FINKENWERDER und zurück unternommen haben. Ja, dass ich es nicht vergesse, natürlich haben wir erstmals die Innenalster besucht und den Museumshafen gefunden. Wie könnte es anders sein. Alte Schiffe haben es mir immer schon angetan. Aber das ist eine andere Geschichte.

Viele Eindrücke nahmen wir wieder mit nach Hause. Doch bevor wir die Fotos in den PC einspielen, alle mitgenommenen Prospekte sichten, einen chronologischen Reisebericht verfassen und aus einer Unmenge an Fotos eine Präsentation zusammenstellen werden, machen wir noch einen Abstecher zu Freunden auf den Voggenberg bei Salzburg. Hier können wir etwas Dampf ablassen und die letzte Etappe nach Mödling in Angriff nehmen. Nicht ohne noch einen letzten Campingplatz am Mondsee aufzusuchen und vom nächsten Urlaub zu träumen. Dieser wird hier seinen Anfang nehmen. Einfach ein Traumplatz. Die Chefin stammt aus Baden. Also eine "fast" Nachbarin.