LOGO SCR
HOMECLUBREGATTENEVENTSSEGELBOTEALLERLEI

Weltumsegler

Beobachtet von Gerhard Ettlinger

Weltumsegler": Für Seefahrer früherer Generationen war dieser Begriff verbunden mit Abenteuer, Neugier und auch Gefahr. Unzählige Seefahrer verloren ihr Leben. Andere entdeckten aber auch bisher Unbekanntes.

Heute ist die Welt so technisiert. Es scheint leicht zu sein, sie zu umsegeln, egal ob in einigen Tagen oder in 5 Jahren. Was macht das schon aus. Rasch ist ein Schiff organisiert, flott gibt es dazu eine Crew und schnell wird der Kurs gesetzt. Auf nach Bali. Raus aus dem Hafen. Vor allem aber weg vom bisherigen Alltag, der so öde und mies ist, die Leute sind so schlecht, und überhaupt alles ist für'n Hugo. Wer so handelt, kommt nicht einmal aus dem Hafen. Wer so handelt, erleidet Schiffbruch, bevor er dreimal Ahoi rufen kann. Was treibt Weltumsegler in die Welt? Was ist der Motor der Sehnsucht, die sie veranlasst, Hab und Gut, Familienmit-gliedern, Freunden und lieb gewonnenen Lebensgewohnheiten usw... zumindest für längere Zeit ade zu sagen? Weltumsegler setzen alleine oder mit ihren Familien oder Partnern Sehnsucht um, die sie im Herzen tragen. Um es gleich vorweg zu sagen: Gute Weltumsegler sind Abenteurer, die kein Risiko leichtfertig eingehen. Sie erweitern ihren geistigen Horizont durch Kennen lernen, und damit verbunden, Tolerieren anderer Kulturen. Sie haben Sehnsucht nach der Ferne.

Der Leiter der ÖSYC Regionalgruppe Ennstal, Ernst Köberl, hat zum Weltumseglertreffen am 22. und 23. August 2008 nach Gößl am Grundlsee eingeladen. 25 Crews aus Österreich, Deutschland, Luxemburg und der Schweiz haben die Einladung angenommen. Wir, meine Frau und ich, durften dabei sein.

Freitag, den 22. August, gab es ein gemeinsames Abendessen im Gasthof Veith, anschließend eine Dia-Show "Paradiese, Wirbelstürme und Piraten" von Claus Gintner. Er spricht offen über das Problem Piraterie, das es wirklich gibt, daher ernst zu nehmen ist, und erzählt über einen für ihn beinahe tödlich ausgegangenen Zusammenstoß mit Piraten. Samstag, den 23. August, hat der Regen die Seerundfahrt auf dem Grundlsee sowie den Spaziergang zum Toplitzsee gründlich verpatzt. Trotzdem spazierten wir vergnügt durch das Dorf Gößl.

Abends wurden im Gasthaus "Rostiger Anker" 10 Crews interviewt und erzählten, oft pointiert, was Weltumsegler so alles erleben können. Claus Gintner, Familie Jabbusch, Familie Ulrich, Familie Schnabl und andere Segler berichteten von ihren Erlebnissen auf hoher See und an Land. Imponierend war der Stil, in dem sie frei von der Leber weg loslegten, über abenteuerliche Ereignisse sprachen, die für uns Landratten erstaunlich klangen. Manche Crew verlängerte spontan einen Törn zu einer Weltumrundung, andere planten die vorgenommene Fahrt bis ins kleinste Detail und hatten Glück, dass die geplanten Ziele ohne größere Probleme umgesetzt werden konnten. Jede Crew stand einmal vor der Entscheidung, entweder sich mit der Adria zufrieden zu geben, oder es doch zu wagen, unbekannte Reviere zu ersegeln. Die meisten Schiffe wurden vom Skipper selbst gebaut, oft jahrelang mit vielen Arbeitsstunden Einsatz. Es gibt aber auch einen Markt dafür. Jede Crew musste sich, oft sehr emotionell, von Familienmitgliedern, Freunden und vor allem von einer bisher gewohnten Lebensweise verabschieden. Viele kehrten zurück, einige nicht. Manfred Jabbusch berichtete mit seinem Filmvortrag "Segeln im Grenzbereich" über eine Einhandüberstellung von Trinidad nach Fremantle/ Australien für die er mit dem "Bambi" der Hochseesegler, dem Trans-Ocean-Preis 2007 ausgezeichnet wurde. Damit hat er das Recht, den mit der Medaille verliehenen Blauwasser-Langwimpel auf jedem Schiff zu führen. Aus all diesen Fragen und Antworten in Gößl spürten wir Freude und Fröhlichkeit. Vor allem sind Weltumsegler in eine großartige Familiengemeinschaft eingebunden, deren Mitglieder festen Kontakt rund um den Globus halten. Damit besitzen sie einen ideellen Wert, den wir "Reichen" beinahe verloren haben.

Uns Binnenskipper hat dieser Abend das Weltumsegeln näher gebracht. Wir möchten uns vor allem bei Ernst Köberl für die hervorragende Organisation recht herzlich bedanken. Vielleicht in 5 Jahren wird es wieder ein Weltumseglertreffen im schönen Ausseerland geben. Es lohnt sich, als Gast dieses kameradschaftliche Flair zu genießen.