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Reif für die Insel?

Überlegungen zur kalten und unfreundlichen Jahreszeit
von Christine Rozhon

"Warum kann ich nicht auch der unfreundlichen Jahreszeit entfliehen?" Diese Frage drängte sich mir bereits vor vielen Jahren auf, als es bei den Pensionisten Mode wurde, auf Mallorca oder in Orten mit ähnlich mildem Klima zu überwintern. Die Frage war allerdings rein rhetorisch, denn die Antwort darauf konnte nicht anders als "leider nein, mein Boss hat - wie seltsam - dafür keinerlei Verständnis" lauten.

Teneriffa

Dann war plötzlich alles anders. Ich selbst bin schon seit einiger Zeit in Pension und Göttergatte Otmar trat im August endlich in den Ruhestand. Abgesehen von dieser "beruflichen" Veränderung hat uns das Jahr 2005 nicht besonders zuvorkommend behandelt - von Jänner an gab es jeden Monat bis in den Oktober neue Unannehmlichkeiten. "Danke, das genügt, wir brauchen Tapetenwechsel. Wir wollen weg - in ein Land mit einem freundlicheren Klima. Und das gleich und sofort. Und zwar für einen sehr langen Zeitraum, jetzt ist es ja möglich!" Gedacht, getan. Da wir für Weihnachten bereits Termine fixiert hatten, reduzierte sich der "sehr lange Zeitraum" auf fünf Wochen. Das war allerdings länger, als wir jemals ununterbrochenen Urlaub hatten. Kurzfristig organisierten wir einen Aufenthalt auf Teneriffa. Wir mieteten ein Haus zu einem wirklich günstigen Preis von gesamt ca. 1.200 Euro im Süden der Insel, einige Kilometer weg von den Touristenzentren. Wir wollten bei dieser Gelegenheit gleich für die nächsten Jahre testen, ob uns statt Urlaub ein Aufenthalt, der sich zu einer Überwinterung ausweiten könnte, gefällt und nicht zu langweilig wird.

Am 12. November ist es soweit. Meine Mutter, Otmar und ich kommen nach fünf Stunden Flug und fünfzehn Minuten Taxifahrt in Costa del Silencio in der Urbanisation Santa Ana an. Die Hausverwalterin erwartet uns bereits, begrüßt uns freundlich und zeigt uns das Haus. Es handelt sich dabei um ein einstöckiges Reihenhaus, das in einer kleinen Anlage steht. Mit vielen Blumen und tropischen Pflanzen wirkt diese Urbanisation recht gepflegt und verfügt auch über einen großen Gemeinschaftspool. Das Haus ist zwar nicht mehr ganz neu, hat aber alles, was gebraucht wird. Vorzimmer, Bad/WC, Küche, Esszimmer und Wohnzimmer befinden sich im Erdgeschoss. Eine Spindeltreppe führt in den ersten Stock. Dort gibt es ein weiteres Bad/WC, ein Schlafzimmer mit Südbalkon und ein zweites Schlafzimmer, durch das man auf eine Nordterrasse mit Blick zum Teide gelangt. Wir ziehen ein und versuchen, uns wie zu Hause zu fühlen.

Blick zum Teide Esszimmer Nordterrasse

Bald haben wir uns eingelebt und sind von der Infrastruktur begeistert. Vis-à-vis gibt es ein Einkaufszentrum mit Supermarkt, Internetcafe, vielen Geschäften und Restaurants. Direkt in der Anlage ist ein italienisches und ein belgisches Restaurant, sowie ein Minimarkt, bei dem ich täglich noch warmes Gebäck für das Frühstück hole. Dort lerne ich bald viele "Überwinterer" kennen. Die meisten Reihenhäuser werden von ihren, oft deutschen, Eigentümern bewohnt und nur einige der Häuser kann man mieten. Die Leute haben alle Zeit und plaudern gerne. Zur Infrastruktur gehört für mich auch, dass ich mit meiner leicht gehbehinderten Mutter (sie verwendet als Gehhilfe einen Rollator) direkt vom Haus weg stufenfrei spazieren kann, ohne viel Verkehr oder steile Wege. Das Meer ist zwar von unserer Anlage aus nicht sichtbar, aber nur ca. 500 Meter entfernt. Es gibt dort ein paar kurze Strandpromenaden, die wir "per pedes" erreichen können. Für die tägliche “Wanderung” mit meiner Mutter gleich nach dem Frühstück ist das völlig ausreichend.

Und was tun wir so den ganzen Tag, womit verbringen wir im Wesentlichen unsere Zeit?

Von uns hat eigentlich keiner das Bedürfnis, den ganzen Tag in der Sonne auf einer Liege beim Pool zu verbringen. Bestenfalls halten wir dort eine kleine Siesta, je nach Temperatur auch am Südbalkon oder auf der Nordterrasse. Meist sind wir unterwegs. Da sich Otmar ohne Auto nicht wirklich zu Hause fühlt, wird ein Opel Corsa, ebenfalls recht günstig um ca. 500 Euro für die gesamte Aufenthaltsdauer, gemietet.

Vogelshow im Dschungelpark Delphinshow im Loropark Tiger im Dschungelpark

Von früheren Urlauben mit den Sehenswürdigkeiten vertraut, gefällt es uns, Ausflüge zu unternehmen und immer wieder neue Gegenden zu entdecken. Also besuchen wir im gebirgigen, grünen Norden Puerto de la Cruz mit dem Loro Park und dem Botanischen Garten, der sehr schönen Altstadt, den Stränden und Promenaden. Der berühmte Drachenbaum in Icod und das malerische Garachico wird bestaunt. Im Süden besichtigen wir den Exotik- und den Dschungelpark und bewundern die Wellenreiter am einzigen Natursandstrand bei El Medano. Ein Ausflug mit dem Schnellboot führt uns auf die touristisch noch ziemlich unerschlossene Nachbarinsel La Gomera. Wir fahren nach Los Gigantes und ins Tenogebirge nach Masca. Natürlich darf auch ein Ausflug auf den Teide nicht fehlen. Wir fahren in den gebirgigen Nordosten, wo nach der Hauptstadt Santa Cruz bei San Andres der berühmte Sandstrand Playa de las Teresitas liegt. Von dort aus wird das Anagagebirge, eine wunderschöne Gegend mit tollen Aussichtsplätzen und dichten Wäldern, wie den Mercedeswald, erkundet.

Drachenbaum in Icod Ausflug zum Teide Kirche von Garachico

Und wenn ich ab und zu lieber im Haus bleibe, setzt Otmar meine Mutter, die eine begeisterte Beifahrerin ist, ins Auto. Sie besuchen Candelaria mit der bekannten Wallfahrtskirche, oder die Fischerdörfer in unserer näheren Umgebung.

Drei (Christine, Mutter, Otmar) auf der Promenade

Gerne fahren wir auch die paar Kilometer nach Los Christianos. Wir spazieren die lange Promenade über Las Americas, den Porto Colon, die Costa Adeje mit der Playa de Fanabe bis zu der neu angelegten Promenade bei der Casas del Duque entlang. Natürlich schafft meine Mutter die Strecke nur in Etappen. Während unseres Aufenthalts sind wir die gesamte Promenade in beiden Richtungen abgegangen. Dort gibt es dann doch einigen Trubel. Und etliche Promenadencafes, in denen wir gerne Rast machen und die vielen Spaziergänger beobachten.

Ganz plötzlich ist der Tag unserer Heimreise da. Das kann doch nicht sein, so rasch? Wir sind noch gar nicht dazu gekommen, die geplanten Wanderungen zur Paisaje Lunar (Mondlandschaft) und in die Schlucht "Barranco del Inferno" zu realiseren!

Resümee:
Mir ist während der fünf Wochen nie langweilig geworden. Es hat mir gefallen, auf Teneriffa mit seinem frühlingsgleichen Klima zu leben. Ich kann mir einen bis zu drei Monate dauernden Aufenthalt während der kalten Jahreszeit durchaus vorstellen. Im Winter 2005/2006 war das Wetter in Wien von unserer Rückkehr (Mitte Dezember) bis zum heutigen Tage (Mitte März) - abgesehen von der kurzen Zeit, die ich der sonnigen und windstillen Wintertage wegen genossen habe - immer unfreundlich.