Shark Warning! Haie im Neusiedler See

Von Heribert Bayer

Bleibt cool, Freunde. Kein Grund, Mayday, zu schreien. Gemeint sind natürlich nicht die angeblich so blutrünstigen Bestien, wie sie Hollywood von Weisser Hai I – V (sind es wirklich schon so viele?) ebenso anschaulich wie furchteinflößend darstellt, sondern die Shark 24, ein schlankes, flottes Kajütboot, das Fahrtensegler ebenso wie Regattierer gleichermaßen begeistern kann. Und wem der Oldtimerlook eines Schiffes, das vor ca. 40 Jahren konstruiert wurde, und das in all den Jahrzehnten kaum Veränderungen erfahren hat, wirklich gefällt, der ist eben ein echter "Sharky" und wird es wohl immer bleiben. Die Shark, Pardon, von einem altgedienten Sharky und kompetenten Mann in der Szene habe ich mir sagen lassen, es müsse der Shark heissen. Warum, weiß der wahrscheinlich selbst nicht so genau. Ich vermute deshalb, weil der Hai oder der Haifisch in der deutschen ebenso wie in den romanischen Sprachen männlich ist. Euer verunsicherter Berichterstatter fragt sich dann allerdings, warum man die und nicht der Neptun oder die und nicht der Sunbeam sagt. Denn Neptun, der römische Gott der Meere – ihr wisst, der mit dem Dreizack – ist zweifelsfrei ebenso männlich wie der Sonnenstrahl. Genug davon! Ihr verzeiht mir die grammatikalische Exkursion. Für mich habe ich beschlossen, dass es in Zukunft die Shark heissen wird.

Die Shark wurde vor ca. 40 Jahren von G. Hinterhoeller, einem Austrokanadier konstruiert. Vom Konzept her ist sie ein regattataugliches Fahrtenschiff, das sich damals wie heute auf den nordamerikanischen und kanadischen Seen allergrößter Beliebtheit erfreut. In Europa ist die Shark 24 vor allem in Deutschland, Schweiz und Österreich verbreitet, wo sie auch von der Schiffswerft Korneuburg bis Mitte der 80er Jahre in Lizenz gebaut wurde. Diese Produktion wurde nach Schliessung der Schiffswerft Korneuburg über Umwege in Emden von einem Konzernbetrieb der Thyssen Kunststoffe übernommen. Der Vertrieb ebenso wie die Europakoordination liegt bei Bodo Günther in Wiesbaden.

Ich möchte euch nicht mit technischen Details langweilen. Jedoch eine Länge über alles von 7.315 mm bei einer Breite über alles von 2.083 mm, lässt erahnen, dass die zigarrenförmig schlanke Shark sehr flott ist und sehr hoch am Wind zu laufen vermag. Insbesondere dann, wenn sie der Originalkonstruktion entsprechend als Kielboot ausgerüstet ist. Zum Glück liegt ihr Tiefgang bei nur 965 mm, was sie bedingt Neusiedler See tauglich macht. Während der letzten Jahre hatten wir bis weit in den Sommer hinein keine Probleme. Ab Mitte August dieses Jahres mussten sich die Regattierer, die fast alle Kielsharks segeln, überlegen, entweder aus dem Wasser zu gehen oder auf Kielschwerter umzurüsten. Dieser Wechsel ist bei der Shark unproblematisch und geht sehr schnell. Für den Fahrtensegler empfiehlt es sich, von Haus aus an die Anschaffung eines Kielschwerters zu denken. Der Vorteil liegt bei einem Flachwasser wie dem Neusiedler See an der Hand. Der Nachteil liegt im seglerischen Bereich. Der Kielschwerter läuft weniger hoch am Wind und vermag natürlich wegen des höheren Schwerpunktes weniger Segelfläche zu tragen. Ihre Yardstickzahl liegt mit 117 nur 2 Punkte höher als die der Kielshark. In der Praxis ist es jedoch kaum möglich mitzuhalten. Zu überlegen sind die Amwindeigenschaften der Kielshark. Wenn wir schon über Segeleigenschaften reden, fällt vor allem das Temperament der Shark auf. Sie ist wendig, beweglich, zeigt an der Pinne kleinste Veränderungen des Gewichtstrimms an. Selbst bei Leichtwind tendiert sie sofort dazu, Lage zu machen und jede Böe in Geschwindigkeit umzusetzen. Spektakulär sind die Starkwindeigenschaften. Wenn drei Mann auf der Kante sitzen, fahren wir bei 5 – 6 Bf noch immer ein ungerefftes Großsegel (14 m2) und die 150 % Genua. Natürlich hat die Shark 24 auch Nachteile. Sie liegen für den Fahrtensegler im Platzangebot. Auf den beiden Langkojen schläft es sich zwar sehr gut, ansonsten kann man sich nur wenig rühren und "wenn man kniet, hat man sogar Stehhöhe". Sehr gemütlich und geräumig und für Badeausflüge bestens geeignet ist dafür das Cockpit. Ihr seht schon, ich bin drauf und dran, für die Shark 24 Reklame zu machen, wie es eigentlich jeder Sharky tut. Allen voran Heiner Schuch vom Yachtclub Illmitz, der österreichische Klassensekretär, der am liebsten alle Segler auf einer Shark sehen würde. Ihr habt recht gelesen, die Shark 24 ist eine eigene Bootsklasse mit höchst detaillierten Klassenbestimmungen. Wir Sharkies sagen schmunzelnd, dass bei der Shark eigentlich alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt wird. Die österreichische Klassenvereinigung ist in Flotten organisiert, die sich um die Belange der Sharkies in den einzelnen Revieren, wie Neusiedler See, Attersee, Traunsee, Bodensee usw. kümmern. Es gibt Schwerpunktregatten in den einzelnen Revieren, es gibt Landesmeisterschaften und es gibt jedes Jahr den Worldcup, die inoffizielle Weltmeisterschaft der Sharks. Er wird nach einem bestimmten Modus alternierend in den USA, Kanada, Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgetragen.

Einige besondere Zeilen widme ich den Sharkies auf dem Neusiedler See. Ich fühle mich unter ihnen sehr wohl. Wir wurden von Anfang an herzlich aufgenommen und wenn man ein Problem hat, wird nicht lange geredet, sondern hilfreich zugepackt. Die Rivalität erstreckt sich allenfalls auf den sportlichen Bereich, geht jedoch nicht so weit, dass man nicht die Crew eines Kollegen komplettieren würde, wenn einmal bei einer Regatta Not am Mann ist und man selbst gerade nicht teilnimmt.

Auch Mitglieder unseres Clubs mischen in der Sharkklasse mit – und wie. Die Crew Poldi und Erika Minarik haben bei der burgenländischen Landesmeisterschaft den zweiten Platz ersegelt. Hervorragende Platzierungen bei weiteren Schwerpunktregatten ergaben einen dritten Platz in der österreichischen Sharkrangliste 2000 und immerhin hat die Crew eures Berichterstatters mit Willy Bisek an der Pinne und Kurt Kirnbauer oder Herbert Vargyas jun. auf dem Vorschiff in unserer ersten Sharksaison einen 5. Platz in der burgenländischen Landesmeisterschaft sowie einen 6. Platz in der Österreichrangliste ersegelt.

2001 soll für uns eine große Saison werden. Die beiden Ruster Crews wollen eine Trainingsgemeinschaft mit Crews vom Yachtclub Illmitz einrichten, denn neben der Landesmeisterschaft und den Schwerpunktregatten geht es im Juni nach Kreuzlingen an den schweizerischen Bodensee zum Worldcup und dort wollen wir nicht nur für unseren Club sondern auch für die österreichische Klassenvereinigung unser Bestes geben.

Wünscht uns Mast- und Schotbruch, Kameraden !

 

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