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Ein Bericht - aus einer etwas anderen Sicht - von Karli Karpf
... oder wer hat da zu seinen Gegnern "Mast- und Schotbruch" gesagt?

Als ich da am Sonntag so vor mich herschwimme, wie ich das jeden Sonntag und auch alle anderen Tage tue, muss ich auf einmal meinen Kopf (von wegen seine Nase nicht überall hineinstecken bei dem Wasserstand) ganz schnell in den Schlamm stecken, ansonsten ... Zugegeben, in den letzten Monaten muss ich das öfter machen - und ich hab schon Übung darin, aber ... irgendetwas ist heute anders. Neugierig schwimme ich zur Wasseroberfläche (ist ja nicht weit) und was sehe ich:

Zwei Piraten, mit bedrohlich erhobenem Beil, rauschen da über den See und darin fünf Jugendliche. Was machen die so weit am See draußen, hinter der Schotterinsel? Normal sehe ich solche Schiffe (mein Opapa hat dazu immer Seelenverkäufer gesagt) nur in der Ruster Bucht bei der Schilfhütte vom Uli, dem Segellehrer. Aber heute so weit heraußen und vor allem, so schnell. Gerade will ich den Kopf schütteln, aber schnell erinnere ich mich, dass ich dann immer so viel Schlamm aufwirble (die Wassertiefe!).
So segelbegeistert wie die ausschauen, sind sie ausgezogen, um den Neusiedler See wie Piraten zu bezwingen.

Endlich ist was los auf diesem See! Wie ich da so schaue, taucht auf einmal Hansi, der tolle Hecht, neben mir auf - wie immer hat er sich angeschlichen! Andere und auch Karpfen hat er ja zum Fressen gern, aber mir tut er Gott sei Dank nichts, wahrscheinlich bin ich ihm auch schon zu groß. Ich unterhalte mich gerne mit Hansi Hecht, denn wie immer weiß er tolle Neuigkeiten von rund um den See. Kein Wunder, er kommt auch viel herum, sein Fressen liegt ja auch nicht einfach nur so da (dafür ist es aber immer frisch!). Die viele Bewegung sieht man auch an seiner tollen Figur - und noch dazu in seinem Alter - aber er tut sich auch leichter als ich mit meinem Bauch und von wegen immer eine Handbreit Wasser unter dem ... ). Atemlos, er ist den Piraten von der Ruster Bucht bis her gefolgt, erzählt er mir die Geschichte dieser fünf Jugendlichen. Ich kann es ja gar nicht glauben!

Von Wien kommen sie her (das kenn ich nur aus Erzählungen, Naschmarkt und so) und von Klagenfurt (auch traurig, wenn die dort klagen in einem furt) und von Südtirol (kann man jetzt schon in den Bergen segeln?; surfen geht ja schon, soll ja inter nett sein). Und alle sollen auch diesen A-Schein haben und alle haben eine Woche im Sommer ganz toll mit dem Uli (der mit den Piraten) gesegelt, und Clubmitglieder sollen sie sein bei diesem Segelclub auf dem Zeltplatz. Das sind die, die sich sogar manchmal mitten am See auf ihren Schiffen ein Zelt spannen! Immer wieder müssen Hansi Hecht und ich lachen, wenn wir daran denken was für einen großen Haken die dabei auch noch rausschmeißen und meistens noch mit einer Kette daran. Was glauben die, wie groß die Fische im Neusiedler See werden können! Außerdem hängen sie nicht einmal einen Köder daran und viele verstecken den Haken auch noch tief im Schlamm! Wir lachen und lachen und biegen uns vor lauter Lachen.

Plötzlich, ein Schuss! Waren wir zu laut?
Eine Minute später wieder ein Schuss! Also, mit uns hat das doch nichts zu tun. Jetzt waren wir nämlich leise.
Und dann, drei Minuten später, hat sicher irgendwer was falsch gemacht. Der wurde da ganz schön ausgepfiffen. Gleich danach kamen alle wie aufgefädelt, in einer Linie auf uns zu. Schnell schwammen wir weg von diesem “Schieß” Schiff mit dem Cowboy da oben mit dem Donnereisen in der Hand, hin zu einer blauen Boje, unter der wir wieder vorsichtig hervorschauten. Ha, unsere beiden Piraten enterten so richtig durch und waren weit vor allen anderen bei der Startlinie.
Jetzt schießt der schon wieder!

Und dann noch einmal? Wild fuchtelt dazu jemand auf diesem “Schieß” Schiff mit einer Fahne (wir sind doch auf dem See und nicht in einer Arena).
War das ... oh nein! ... Waren die Piraten zu schnell? Waren sie zu früh? Mir fällt es wie Schuppen von den Haaren! Und was machen unsere Piraten? Anstatt weiter davon zu segeln und es allen - als neue Clubmitglieder - von Beginn an zu zeigen, wo's langgeht, drehen sie brav eine Runde um die blaue Boje herum!
Aber danach jagen sie - um ihren Vorsprung gebracht - mit erhobenem Beil dem Hauptfeld nach, treiben die anderen Regattasegler nur so vor sich her. Und, dass die Angst haben, merkt man, weil sie “zickizacki” fahren um die Piraten abzuschütteln, um sie zu verwirren. Und die machen das “zickizacki”-Spiel bis zu den fünf Schoppen mit, und segeln dann in Richtung Krautlacke.

Endlich kann auch ich geradeaus schwimmen. Vom ewigen “zickizacki” nachschwimmen ist mir schon ganz schwindlich geworden. Außerdem muss ich immer aufpassen, um nicht die Orientierung zu verlieren, denn alle Schiffe haben da unten so ein Ding (Pflug heißt das, glaube ich, bei den Menschen) bis in den Schlamm hinunterhängen. Stundenlang kann danach kein Fisch in dieser Schlammspur was sehen und erst recht nicht atmen! In den letzten Jahren werden die Dinger noch dazu immer größer! Da kannst du nur den Kopf einziehen.

Rund um einen orangeroten Gummiball (wer hat den mit einem Netz gefesselt?) ging's von der Krautlacke zurück zum “Schieß” Schiff. In rasender Fahrt überquerte der erste Pirat die Ziellinie und jubelte. Kurze Zeit später fährt auch der Zweite durchs Ziel.

Ich bin sicher, dass meine Piraten Erster und Zweiter geworden sind!

Aber was ist jetzt schon wieder los? Der eine Pirat fährt auf und ab und auf und ab! Wie früher bei mir, als ich dringend musste, aber nicht durfte (zum Beispiel in der Fischschule oder in Papas Wohnzimmer). Ich fing da auch immer an zu zappeln und bin nicht mal ein Mädchen. Nachdem meine Piraten diese - zugegeben heikle - Situation damenhaft (dank eines dieser dicken Schiffe; kommt der große Tiefgang etwa vom vollen Klo?) gemeistert haben (Gott sei Dank, das ging ja fast in die Hose!), wird sofort wieder das Vorsegel aufgezogen und ab geht's wie vorher, mit denselben Schüssen, denselben Pfiffen, nur etwas vorsichtiger.

Der Wind hat noch mehr aufgefrischt, die Wellen sind noch höher und die Sonne lacht ein wenig hinter den Wolken hervor und manche haben ihre Segel bereits gerefft. Aber an das denken meine tapferen Piraten nicht. Richtig, der Sieg gehört verteidigt! Und wieder dasselbe Spiel. “Zickizacki” hinauf, diesmal in Richtung Krautlacke, und wieder alle “zickizacki” vor den Piraten her. Auch auf den Piraten “zickizacki” hin und her zum orangeroten Gummiball und ...

Und was ist das? Was baumelt da vom Baum, oder nein, seitlich vom Mast! Braucht das der Mast nicht zum aufrecht Stehen? Was ist wenn ja! ... na dann, “Mast- und Schotbruch”! Ich bin schon wieder stolz auf meine Piraten! Rufen über ein schwarzes Kästchen mit Antenne dran weit hinüber zum “Schieß” Schiff “Want kaputt” oder so ähnlich. Sie hören ... , bergen die Segel und das (Kriegs) Beil und ... warten. Nach kurzer Zeit kommt diese Gummiente (die vom Yachtclub) mit diesem lauten, stinkenden Quirl hinten dran in rasender Fahrt auf meine Piraten zu, bremst kurz davor ab, spricht beruhigende, nette Worte, hängt sie mit einem langen Seil an und zieht den Pirat zurück zu Uli's Segelschul(e)werkstatt. Na Pirat, solltest dich in deinem Alter und mit deiner Kondition doch nicht mehr so weit auf den offenen See trauen. Schade, so kurz vor dem zweiten Sieg wegen technischem Gebrechen aufhören zu müssen. Nachdem ich mich versichert habe, dass alle froh und gut gelaunt und vor allem sicher angekommen sind, wird es Zeit, dass ich mich um den zweiten Piraten kümmere.

Die Zwei auf dem anderen Piraten kämpfen tapfer mit Wind und Wellen und fahren nach dem orangeroten Gummiball gleich zurück zum “Schieß” Schiff. Ist das der richtige Weg? Aber sicher die richtige Entscheidung! Gleich, nachdem sie am “Schieß” Schiff vorbei sind, werden sie von einem größeren Boot an die Leine genommen und auch abgeschleppt. Das große Segel mit dem (Kriegs)Beil wurde ebenfalls geborgen. Für das kleine Leintuch vorne waren sie anscheinend schon zu abgekämpft und kraftlos. Der Schleppverband segelt Richtung Ruster Bucht und ich begleite sie noch ein Stück, um mich von meinen tollen Piraten zu verabschieden.

Aber was baumelt da herum? Braucht das der Mast nicht zum ... ? Na dann, “Mast- und Schotbruch!” Nein, braucht er nicht, das Vorsegel hält ihn ja noch! Ist wohl der altersschwache Bruder des anderen Piraten! Auf jeden Fall, aus einer Familie! Und da ist gehörig der (Holz)Wurm drin. So, jetzt muss ich doch noch bis hinein mitschwimmen, falls noch etwas passiert! “Rums” kracht der Pirat - meine Piraten enterten den Steg - und Uli, der Segellehrer, wird in der nächsten Zeit etwas mehr Zeit für die intensive Pflege seiner Piraten aufbringen (müssen).

Und alle meine Piraten, ja die:

Hatten leuchtende Augen, viel Spaß und viel Freude! Ich bin stolz auf sie! Und auch auf diesen Segelclub, der heute bei fünf jungen Seglern das Regattafieber (hoffentlich bleibend) geweckt hat. Ihre erste Regatta haben sie ganz toll hingekriegt, noch dazu bei diesem Wind.

Und ich garantiere euch, dass ich und meine Fischfreunde die “Welle” machen, wenn meine Piraten (vielleicht als Zugvogel) bei der nächsten Regatta wieder mitfahren! Und Hansi Hecht hilft mir dabei, das hat er mir fix zugesagt!

Euer Karli Karpf (Christian Wimmer)