Der längste Fischerkrieg

Artikel von Franz Pabisch

Für Segelfreunde, die Berichte über die Kornaten und deren Bewohner interessiert, möchte ich die Geschichte über den längsten Fischerkrieg in der Adria (Kornaten) erzählen.

Exklusive Fischereirechte in den Kornati haben im Laufe einiger Jahrhunderte die Fischer aus dem Ort Sali auf der Insel Dugi Otok, aus Zadar, Zman, Zaglav und Iz gehabt. Wahrhaftige Herrscher der Fischereirechte waren eigentlich die Einwohner von Sali, hervorragende Fischer, die mit Recht Fischerlegende der Adria geworden sind. Fischerstreitigkeiten um die Fischereirechte in den einzelnen Gebieten brechen schon im 15. Jahrhundert aus, aber ernsthafte Streitigkeiten flammen Mitte des 17. Jahrhunderts auf. Zusammenstöße der Fischer aus Sali mit denen aus Prvic, Zlarin, Murter und Zirje verschärfen sich Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Bewohner von Sali begründen ihre Rechte erstens auf der Tatsache, dass alle Fischereiposten damals der Gemeinde Sali angehörten und zweitens auf dem hundertjährigen ungeschriebenen Gewohnheitsrecht. Ursprünglich genügte das, damit venezianische, später auch österreichische Behörden immer zugunsten Sali entschieden und den Fischern aus dem Gebiet von Sibenik war der Zugang zu den Kornati Inseln verboten. Diese Streite dauern auch nach dem Jahre 1896, als Hirten und Bauern von der Insel Murter Besitzer von allen Kornati Inseln werden. Da die Murteriner damals noch keine Fischer waren, sondern sich ausschließlich mit Viehzucht und Landwirtschaft befassten, hatten sie mit den Einwohnern von Sali keine Fischereikonflikte, aber die Streitigkeiten zwischen den Fischern aus Sali und Zlarin wurden fortgesetzt, weil die Murteriner Verbote und Verträge beachteten. Bald aber beginnen auch die Murteriner und Betinaer sich mit dem Fischfang zu befassen, sodass die Fischer von Sali ihr Vorrecht nur auf den besten Fanggebieten behalten können.

Anfang des 20. Jahrhunderts erlischt der Fischfang auf der Insel Zlarin und ihre Streitigkeiten werden eingestellt. Doch nun wird das Verhältnis zwischen den Einwohnern von Sali einerseits und den Murterinern und Betinaern anderseits immer zorniger. Jetzt begründen die Murteriner ihre Rechte auf ihrem Inselbesitztum und die Einwohner von Sali bestreiten das, indem sie beteuern, Murteriner sind nur zeitweilige Bewohner der Kornati und Fischereirechte können sie nur auf ihrem Wohngebiet haben. Über den Kornati-Fischerkrieg gibt es viel Auseinandersetzungen in Triest und Wien und der Höhepunkt ist, so scheint es, in den Jahren 1927 und 1928, als die Einwohner von Iz auch Rechte zum Fischfang in den Kornati verlangen. Die Situation wird noch komplexer, als die Sali-Gemeinde 1934 auf die drei Sondergemeinden Sali, Iz und Bozava zerfällt und jede von den drei Gemeinden exklusive Fischereirechte im Kornati-Gebiet fordern. Jetzt wird der Krieg im Kornat-Archipel in Belgrad behandelt, in der Hauptstadt des Königtums Jugoslawien. Somit hat der Streit schon vier Staaten überlebt und keiner konnte eine Lösung finden! Dem sozialistischen Jugoslawien unter Tito nach dem zweiten Weltkrieg ist es auch nicht gelungen. Im Jahre 1952, als das ganze Kornati-Gebiet dem damaligen Bezirk Sibenik und der Gemeinde Tisno zufällt, hören die Konflikte noch immer nicht auf. Schließlich begann der Fischerkrieg in den Kornati um das Jahr 1963 von selbst nachzulassen. Begründung gibt es meiner Meinung nach keine, aber ich glaube, dass auch die geringen Fischbestände (Sardinen und Sardellen), die bereits die Fischfabrik in Sali fast stillgelegt haben, eine große Rolle spielen. Es gibt auch in den Kornaten keine Berufsfischer mehr und die Verkündung des Gebietes zum Nationalpark-Kornati im Jahre 1980 hat den Krieg ein für allemal zur Vergangenheit und Legende gemacht.

Dieser Krieg hat fast 500 Jahre gedauert. Seine Ursachen konnten nicht einmal fünf Staaten auflösen, von denen einige seinerzeit die mächtigsten in Europa waren.