Diese Reise war endlich wieder einmal richtig seemännisch auf einem Segelschiff - der Star Clipper, mit 115 Meter Länge und nur 155 Passagieren an Bord - versorgt von 77 Mann Besatzung.
Also flogen wir nach Griechenland/Athen (da konnten wir auch gleich schauen, wo unser Geld ist).
Sofort nach dem Auslaufen aus Piräus, dem Hafen von Athen, wurden die Segel gesetzt, begleitet von den mystischen Klängen des Liedes "Conquest of Paradise". Mit dem Kommando "Alle Mann an die Segel ..." fing schon der Arbeitseinsatz der Gäste an und ging (so oder ähnlich) die ganze Reise weiter.
Der typische Tagesablauf begann um 07:00 Uhr früh mit Yoga, gefolgt mit "keep fit", dazwischen Einschulung im Maschinenraum oder Mastklettern, unterbrochen mit Wassergymnastik in einem der beiden Swimmingpools, Karten lesen, navigieren, studieren der Hafenhandbücher mit Vortrag über die Gefahren beim nächsten Landgang, mit Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten.
In den Pausen mussten wir immer wieder - auf dem Sonnendeck, vom Liegestuhl aus - den wachhabenden Offizier beaufsichtigen oder die beiden Bootsmänner kontrollieren; damit auch unser Kurs gehalten wurde und die Segelmanöver auch richtig klappten. Erschwerend dazu kam noch, dass sämtliche Arbeiten auf dem Sonnendeck zu verrichten waren und die Arbeit unter der griechischen Sonne nur in den Zeiten 06:30 - 10:30 Uhr durch Early Bird Breakfast, 08:00 - 10:00 Uhr Frühstücksbuffett, 12:00 - 14:00 Uhr Mittagsbuffett, 17:00 - 18:00 Uhr Cocktail Stunde, 19:30 - 22:00 Uhr Abendessen und 23:45 - 01:00 Uhr Mitternachtssnack unterbrochen wurde.
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Kein Wunder, dass jeder der Gäste mindestens 3 Kilogramm "Muskeln" (?) zunahm. Zusätzlich mussten wir noch - um fit für die täglichen schweren Arbeiten zu sein und sie ohne Erschöpfung erledigen zu können - gezielte körperliche Aufbauprogramme verpflichtend besuchen, wie das tägliche musikalische Karussell (Tanzmusik) des schiffseigenen Musikers, Yoga und Meditation, Cocktailmelodien am Piano, Tanzmusik nach dem Abendessen, Showprogramm und danach "it's dancing time". Wenigstens kamen wir auf keine schlechten Gedanken und auch das 5*-Essen wurde gut verdaut. Rückblickend verwundert es, dass wir nach getaner Arbeit doch noch genügend Landurlaub bekommen haben.
Da wir am Abend von Piräus ausgelaufen und erst am übernächsten Tag in Rhodos eingelaufen sind, hatten wir bereits genug Überstunden angespart, denn wir segelten die ganze Nacht, um den Koloss von Rhodos zu suchen. Der Koloss von Rhodos, eines der sieben Weltwunder im Reich des Sonnengottes Helios war 35 Meter hoch und stand breitbeinig über der Hafeneinfahrt. Eines Tages kam ein - für dazumalige Verhältnisse - Rennclipper mit einem hohen Mast in den Hafen - zwischen den Beinen des Kolosses durch, eingelaufen - und dazu noch bei Flut! Jedenfalls soll es einen kolossalen Zusammenstoß gegeben haben und seitdem ist der Koloss verschwunden. So besichtigten wir die nicht minder kolossale Kreuzritterburg, welche die Johanniter 1390 - wahrscheinlich aus den Steinen des Kolosses - erbaut haben und bestaunten besonders den Großmeister-Palast, das Ordensritterhospital und das rege Treiben innerhalb der alten Stadtmauern.
Auch die "bleichen Gäste", die ihr Frühstück dem Klabautermann opferten, haben nach der welligen Überfahrt jetzt wieder sichtbar mehr Farbe im Gesicht, denn quer durch die gesamte Ägäis von Piräus nach Rhodos war es nämlich etwas unruhig und ruppig. In dieser Nacht wurde ich einmal munter, da irgendjemand meine Koje unter mir wegzog. Den ersten aufkommenden Gedanken an "seekrank?" habe ich - Gott sei Dank - gleich darauf verschlafen.
Um 23:00 Uhr liefen wir von Rhodos aus und kaum waren wir von der Kaimauer frei, wurden schon wieder die Segel gesetzt und wir liefen 12 Knoten unter Vorstagsegel, Innen- und Außenklüver, Unter- und Obermarssegel, Kreuzstagsegel und Besanstagsegel nach Bodrum. Um 10:00 Uhr kamen wir in Bodrum - dem ehemaligen Halikarnassos - an und hielten sogleich Ausschau nach dem nächsten Weltwunder, dem Mausoleum. Keinen der Steine aus der Grabstätte des König Mausolos habe ich gefunden: Ich ging sogar tauchen, aber auch da war von den alten Steinen nichts zu sehen. Die Steine dürften allesamt im Kastell von St. Peter verbaut worden sein, das jetzt schon von Weitem sichtbar über dem Hafen von Bodrum trohnt.
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18:00 Uhr ablegen und ..."Segel setzen mit Kurs auf Dalayan". Um 08:00 Uhr "Anker fällt" vor dem Dalayan-Flussdelta mit einem vier Kilometer langen Sandstrand (so muss es gewesen sein als Christoph Kolumbus der Eroberer (conquest) das Paradies erobert hat - das schönste Karibikflair - bekannt durch die Brutstätte der Meeresschildkröte Caretta. Nur auf diesem Strand in der Türkei und auf der Insel Zakynthos in Griechenland brüten diese großen, geschützten Schildkröten. Mit Ausflugsbooten haben wir die lykischen Felsengräber und das antike Kaunos besucht. Die Fahrt durch den Schilfgürtel erinnert uns, abgesehen von den felsigen Hügeln direkt bis zum Wasser, stark an den Neusiedler See. Kaunos war im 2. Jhdt. vor Christi eine blühende Handelsstadt mit zwei Häfen. Vom Amphitheater aus der Römerzeit haben wir einen tollen Ausblick auf die versandete Flussmündung, über den Sandstrand zu unserem - vor Anker liegenden - Star Clipper.
16:00 Uhr Anker auf und ... Segel setzen! Wieder steht uns eine anstrengende und arbeitsreiche Nacht bevor, da wir erst um 12:00 Uhr am nächsten Tag in Santorin ankommen werden. Aber, was geschah in der Nacht? Waren die Segel nicht richtig getrimmt? Jedenfalls sind wir um eine Stunde später angekommen und schon war unsere Anlegetonne vergeben. Die fünf im gesamten Vulkankrater vorhandenen Anlegebojen waren bereits alle besetzt und so entschied sich unser Kapitän, die Landgänger bei viel Wind und hohen Wellen auszuschiffen. Weil er unseren Clipper immer durch beidrehen stabilisieren musste, dauerte das Manöver ziemlich lange. Wir hatten daher viel Zeit, um die weißen Häuser am Kraterrand zu bestaunen, die auf den 200 Meter steil abfallenden Felsen gebaut wurden. Die heutige Form hat die Insel nach dem letzten Ausbruch 1450 vor Christi bekommen und auch das geheimnisumwitterte Atlantis soll sich hier befinden.
Mit der Seilbahn überwinden wir - wie im Schiurlaub - einfach und schnell die hohen Felsen und fahren nach Thira, der Hauptstadt, mit seinen weiß getünchten Häusern und hellblauen Kuppeln. Kurz vor Sonnenuntergang gingen wir den Eselpfad zum Hafen zurück. Noch nie habe ich so viele Esel auf einmal gesehen!
Um 19:30 Uhr liefen wir nach Hydra aus, somit ..."Segel setzen und Nachtfahrt". Um 12:00 Uhr fällt der Anker in einer Bucht vor dem Städtchen Hydra, geprägt durch seine Herrenhäuser aus dem 18. Jhdt., den vielen Schiffkanonen vor dem kleinen Hafen und Windmühlen entlang des Berghanges.
Mit dem Tender ging es in voller Fahrt zu einem naheliegenden Badestrand. Wieder einmal baden.
Anker auf um 22:00 Uhr und ... eh klar, Segel setzen und Nachtfahrt zurück nach Piräus. Auf dem Sonnendeck haben wir bei Mondschein unsere Flasche Begrüßungssekt getrunken und das letzte Mal den sternenklaren Nachthimmel auf unserem Star Clipper beobachtet.
Als wir um 07:00 Uhr in Piräus anlegten, waren 727 Seemeilen unter Segel zurückgelegt und wir hatten mit Getränken und Ausflügen unser Bordkonto um 1 Euro je Seemeile zusätzlich belastet.
Ein wunderschöner und erholsamer Segeltörn.