zurück - Veranstaltungskalender 2010
Grado, eine der Urlaubshauptstädte der Österreicher und deshalb in der Ferienzeit sehr den Kommerzgeschäften mit den Urlaubern zugeneigt, durften wir als eine verträumte Küstenstadt erleben. Die heurige Ernte ist eingebracht und die Stadt gehört wieder den Gradoesern. Ungewöhnlich ist die Ruhe, die dieser Ort im Oktober ausstrahlen kann. Man spürt, dass 2/3 der Stadt für das Geschäft mit den Urlaubern gebaut wurden. Wie wir uns überzeugen konnten, kommt Grado mit diesem Schicksal aber sehr gut zurecht. Die Menschen haben nach der Saison Zeit zum Leben gefunden und können wieder freundlich und zuvorkommend zu ihren wenigen Gästen sein. Ein großer Gewinn für Alle. Die Anreise nach Grado war sehr angenehm. Der komfortable Bus brachte uns zuerst nach Minimundus und, bereits in Friaul, nach San Daniele, die Schinkenstadt Italiens schlechthin. Man hat den Eindruck, dass jedes Geschäft hier sich mit Hingabe dem Verkauf des Prosciutto widmet, nur die Trafiken und die Modegeschäfte nicht. Am Abend stehen wir etwas erschöpft vor dem Hotel Astoria in Grado, bewundern die Architektur der Fassade und den Doppeladler an allen Glasteilen der Drehtür. Das Warten auf die Zimmer hat sich gelohnt. Die meisten verfügen über einen Balkon. Nur die Aussicht aufs Meer wird vom Hotel Mar del Plata verstellt. Das daneben stehende Hotel, ein alter Betonkasten beherrscht die Skyline von Grado und dient schon Generationen von Navigatoren und Rudergängern als Ansteuerungshilfe für die Stadt und die Dalbenstrasse, die in die Lagune und zum Stadthafen führt. Der Tag geht mit einem guten Abendessen im schön gedeckten Speisesaal zu Ende. Ab sofort werden wir auf Teigwaren und Meeresfrüchte eingestellt. Fleisch ist anscheinend Mangelware in Italien. Überrascht uns nicht, wenn man an die vielen Schinken in San Daniele denkt. Zumindest das Schweinefleisch scheint in Italien zweckgebunden zu sein. Am zweiten Tag der Reise werden wir durch die Altstadt geführt und erhalten einen Einblick in die lange Geschichte dieser Urlaubermetropole. Die Berührungspunkte mit Österreich waren zwar nie schmerzlich, aber die Zeit nach 1950 ist für Grado, mit Abstand, die wirtschaftlich interessanteste. Anschließend bringt uns der Bus nach Cividale. Eine Stadtbesichtigung war nicht möglich. Irgendwo ist die Zeit davongelaufen und die Familie Luisa erwartet uns auf ihrem Weingut zur Verkostung ihrer Weine. Ich erinnere mich an Weine, die ich in meiner Jugend an der Oberen Adria getrunken habe und sehe dem Besuch eines Weinguts in der Nähe von Udine mit einiger Skepsis entgegen. Es wäre vermessen, mich als Weinkenner zu outen, aber die Weine, die wir im Weingut Luisa verkostet haben, waren ausgezeichnet und sind mit den damaligen Weinen nicht mehr vergleichbar. Das Weingut selbst, ein Familienbetrieb der 80 ha bewirtschaftet, war eine große und positive Überraschung. Hier entführte uns Gottfried Horvath mit seiner herrlichen Stimme in den tiefen Keller eines alten, sehr alten Gasthauses. Wir dankten mit tobendem Applaus und wünschten ihm und uns noch mehrere solche Gelegenheiten. Wieder in Grado angelangt, begeben wir uns an Bord der „Nuova Kristina“ und fahren zum Abendessen nach Porto Buso, in der Lagune von Grado. Bei Ebbe gar nicht so einfach aber der Kapitän des Ausflugschiffes, welches 2005 gebaut und für weit über 100 Personen zugelassen ist, ist ein Profi und steuert das Boot mit sicherer Hand durch die zahlreichen Dalben und Pricken. In einem Festzelt essen und trinken wir alles was die Küche und der „Keller“ zu bieten haben und das war nicht wenig. Bodenständige Köstlichkeiten, darunter marinierte Meeresfrüchte, Salate, gegrillter Wolfsbarsch und zum Abschluss eine ausgezeichnete Mehlspeise. Es war die reinste Völlerei mit Musikbegleitung. Die mitgefahrenen Damen und Herren präsentierten ihre italienische Heimat, und sangen und musizierten mit großer Hingabe. Der dritte Tag bricht an. Heute wird uns die „Nuova Kristina“ nach Triest bringen und wir werden als Beobachter der BARCOLANA den Start und den Zieleinlauf erleben. Überwältigend das Starterfeld mit weit über 1600 teilnehmenden Yachten. Diese Regatta ist vor allem ein gesellschaftliches Ereignis und weniger ein sportlicher Wettkampf. Zu unterschiedlich sind die teilnehmenden Bootsklassen. Chancen unter den Ersten zu sein haben nur die echten Racer. Die breite Masse hat andere Aufgaben zu erfüllen. Hier gilt das Olympische Gesetz: „Dabei sein ist alles“. Um 14:00 Uhr treten wir die Heimfahrt an. Nach dem Pflichtbesuch im bekanntesten Restaurant Sloweniens, in Trojane und nach einem gezielten Angriff auf unsere Gesundheit mittels Riesenkrapfen, kommen wir mit vielen neuen Eindrücken um ca. 22:00 Uhr in Wien an. Es hat sich gelohnt, bei diesem herrlichen Herbstwetter, die Reise gemacht zu haben und die Segelsaison als Beobachter eines so riesigen Segelevents beenden zu können. Nun möchte ich im Namen der Teilnehmer allen Organisatorinnen und Organisatoren für das Zustandekommen dieser Reise danken und hoffe, solche Fahrten auch in Zukunft mit dem Segelclub Rust zu erleben. Es wird nicht leicht sein, diese Reise zu toppen, aber es wird den Organisatorinnen und Organisatoren schon wieder etwas Interessantes einfallen. Da bin ich sehr sicher. Klaus D. Prtak |